Gemeinsamkeit im Gebet bei der Zigeunerwallfahrt in Saint-Marie-de-la-Mer

Das zauberhafte Land Frankreich mit seiner Vielfalt an landschaftlichen Naturschönheiten gilt schon seit Jahrzehnten als absolut beliebtes Reiseziel. Sonnenhungrige wie Badefreunde finden dort ebenso ihr Paradies wie Kulturreisende, wobei Paris, die Stadt der Liebe, ganz oben in der Beliebtheitsskala steht. Ein außergewöhnliches Ereignis, welches in der wunderschönen Region Camargue in dem romantischen Ort Saint-Marie-de-la-Mer stattfindet, stellt die Wallfahrt der Zigeuner dar. Jährlich für acht bis zehn Tage wird das Städtchen für das fahrende Volk aus aller Welt zum Lager und Ausgangspunkt der Zigeunerwallfahrt, die ihren Höhepunkt in einer traditionellen Prozession am 24. August findet. Tausende Roma, Sinti und viele andere Zigeunergruppen ziehen hierbei mit einer Statue ihrer Schutzheiligen, der schwarzen Sara, von der berühmten Festungskirche bis hin zum Meer.

Es ist ein beeindruckender Anblick, wenn die riesige Menschenmenge die knapp einen Meter hohe Statue auf ihrem Weg zum Ozean begleitet. Die Zigeuner legen sich dafür ihre farbenprächtigen Festgewänder an, kleine Mädchen verzücken die Zuschauer mit ihren

Zigeuner Wallfahrt

rüschenbesetzten Flamencokleidern. Ein jeder versucht, die verehrte Schutzheilige zu berühren, selbst kleinste Babys werden dieser entgegengereckt, damit Glück ihr Leben begleitet. Zuvor findet ein gefühlsvoller Gottesdienst in der Kirche Notre-Dame-de-la-Mer statt, der so manche Beteiligten, Männer wie Frauen, zum rührseligen Schluchzen verführt. Mittig ist die berühmte Sara platziert, welche unter einer Vielzahl prächtig verzierter Umhänge kaum noch zu sehen ist. Einen fantastischen Anblick bietet das Herunterlassen der Reliquien der beiden Marien in eine Holzkiste, atmosphärisch beleuchtet von den unzähligen brennenden Kerzen, die der Schutzheiligen zu Ehren entfacht wurden. Die euphorischen Rufe der Gläubigen „Vive les Saintes Maries“ sowie „Vive Sainte Sara“ schallen weit hinaus auf den mit Menschen überfüllten Kirchplatz.

Mitreißende Musikklänge und einzigartige Tänzer

Die märchenhafte Prozession findet ihr Ende am herrlichen weißen Sandstrand von Saint-Marie-de-la-Mer. Festlich gekleidete Gardians, die Hüter der wilden Stierherden der Camargue, auf ihren herrlichen weißen Pferden bahnen den Trägern der heiligen Sara einen Weg durch die Menschenmenge. Männer eilen ihnen kettenbildend zu Hilfe, damit ihre geliebte Schutzheilige sicher an ihr Meeresziel gelangt. Dort wird sie mit Wasser bespritzt, ein Ritual, welches der Reinigung von Geist und Seele dient. Am Abend wird noch einmal in der Festungskirche gemeinsam gebetet, hernach ausgelassen und fröhlich bis in die frühen Morgenstunden hinein getanzt und gelacht. Bei der Zigeunerwallfahrt in Saint-Marie-de-la-Mer findet sich keine große Bühne, auf welcher eine einzige Musikgruppe den Ton angibt. Überall in dem Ort verteilt ertönen zauberhafte Gitarrenklänge, kräftige Blasmusik und rhythmisches Trommeln. Wen die Musik mitreißt, der tanzt einfach auf der Stelle los, wobei oftmals außergewöhnliche Tänzer zu bestaunen sind.

Für die Zigeuner stellt die Wallfahrt eine gute Gelegenheit dar, alte Bekannte wieder zu treffen und neue Freundschaften zu knüpfen. Oftmals lernen sich dort junge Männer und Frauen kennen, welche später den Bund der Ehe miteinander eingehen. Der 24. August wird von vielen Gläubigen genutzt, um die Taufe des Kindes in der Kirche ihrer wichtigsten Heiligen zu vollziehen. Die Stimmung in ganz Saint-Marie-de-la-Mer ist an diesem besonderen Abend berauschend und lässt die Probleme des Alltags vergessen. Die Zigeuner sind ein kontaktfreudiges und aufgeschlossenes Volk, wer sich unter sie mischt, wird mitgetragen von der feierlichen Atmosphäre und der Fröhlichkeit eines jeden Menschen. Das noch immer häufige Misstrauen gegenüber dem fahrenden Volk verschwindet, wenn man Seite an Seite tanzt oder gemütlich plaudernd in einem der zahlreichen Cafés die Wärme der Nacht genießt.

Das Geheimnis der schwarzen Sara

Saint-Marie-de-la-Mer gilt bereits seit dem 15. Jahrhundert als häufig aufgesuchter Wallfahrtsort, erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich dieser für die Zigeuner zum größten Treffpunkt zur Verehrung ihrer Schutzheiligen von ganz Europa. Es werden die unterschiedlichsten Behauptungen aufgestellt, wie es dazu kam, dass die attraktive kleine Ortschaft in der Camargue zu dem wichtigsten Zigeunerwallfahrtsort wurde. Eine These ist, dass auf damaligen Zeichnungen und in Bildern in Zeitungen häufig pilgernde Zigeuner unter den Gläubigen entdeckt wurden. Reporter beschäftigten sich mit diesem Thema und verbreiteten es in die ganze Welt, was ein immer größer werdendes Interesse seitens der verschiedensten Menschen erweckte, darunter auch des fahrenden Volkes. Letztendlich wird es auf ewige Zeiten das Geheimnis der schwarzen Sara bleiben, zu deren Ehren jährlich Tausende Menschen anreisen.

Für die französische Bevölkerung gibt es einen guten Grund, warum Saint-Marie-de-la-Mer als ein berühmter Wallfahrtsort gilt. Eine Sage erzählt, dass die Vorsehung ein nicht steuerbares Boot mit den an Bord befindlichen Heiligen Maria Jakobäa, Maria Salome sowie Lazarus, Maximus und Maria Magdalena Martha an der Provenceküste stranden ließ. Auf Grund ihres höheren Alters ließen sich die beiden Erstgenannten in dieser Region nieder, die Jüngeren machten sich auf den Weg, um das Evangelium im gesamten Land zu verbreiten. Im Jahre 1448 sorgte der damalige König René zudem für die umfangreiche Ausgrabung der Schreine der Heiligen, welche heute ihre größte Verehrung sowohl am 25. Mai als auch am 22. Oktober erfahren.

Saint-Marie-de-la-Mer – ein Urlaubsort vom Feinsten

Der Schauplatz der Zigeunerwallfahrt, welche ein absolut sehenswertes Ereignis darstellt, könnte nicht attraktiver sein. Sind die Feierlichkeiten beendet, stellt die im 7. Jahrhundert erbaute und im 15. Jahrhundert befestigte Kirche Notre-Dame-de-la-Mer ein eindrucksvolles Besichtigungsziel dar. Sie erinnert weit mehr an eine Festung als an ein Haus Gottes und versetzt Besucher in längst vergangene Jahrhunderte zurück. Gleichfalls lässt es sich gemütlich durch die engen Gassen des meist sehr beschaulichen Ortes wandeln, die von in der Sonne glänzenden weißen Häusern gesäumt werden. Begleitet von einer kühlenden Meeresbrise ermöglichen sich lange Spaziergänge auf der schön angelegten Strandpromenade, atemberaubende Sonnenuntergänge inbegriffen. Der idyllische Jachthafen stellt einen der beliebtesten Anlegeplätze der Provence dar, dort geht es etwas lebhafter zu und es gibt immer etwas Interessantes zu sehen.

Nicht nur die Kleinen finden ihr Glück in Saint-Marie-de-la-Mer am unendlich langen feinsandigen Strand. Von Sonnenanbetern, die wie Sardinen in einer Reihe liegen, ist der Ort bis heute verschont geblieben. Es gibt so viel Raum an dieser herrlichen Küste, dass sich selbst in der Hochsaison jederzeit ein einsames Plätzchen finden lässt. Bereits im Mai ist das Mittelmeer warm genug, um sich ganz den Badefreuden hinzugeben. Ausgiebige Sonnenbäder lassen sich in vollem Umfang genießen und auch für Freunde des FKKs gibt es eine Vielzahl an Strandabschnitten, in welchen sie sich ungezwungen bewegen können. Für sportliche Abwechslung sorgen in Saint-Marie-de-la-Mer beste Windsurf- und Funboarding-Bedingungen, der Ort hält sogar den Weltrekord im Geschwindigkeitssurfen. Viel Spaß für die ganze Familie bringen auch eigens gestaltete Bootsausflüge, eine Vermietung vor Ort präsentiert eine breitgefächerte Auswahl an Wasserfahrzeugen.

Abwechslungsreiche Flora und Fauna

Ein Besuch der Zigeunerwallfahrt Saint-Marie-de-la-Mer führt Reisende in die außergewöhnliche Naturlandschaft der Camargue. Stundenlange Spaziergänge und Wanderungen lassen sich in der unendlichen Weite der Sumpflandschaften und bizarren Küstenstreifen erleben, die von einer romantischen Stille geprägt werden. Menschen begegnet man unterwegs nur selten, dafür riesigen Flamingoschwärmen, die als bunte Farbtupfer aus den verschiedensten Grün- und Blautönen herausragen. Zahlreiche weitere Vogelarten nutzen die naturbelassene Camargue als Ruhe- und Nahrungsplatz auf ihrer langen Reise von einem warmen Ort zum anderen. Die hübschen weißen Camargue-Pferde werden ebenso wie die sehr dunkelbraunen Stiere nahezu frei aufgezogen. Bedrängt man diese nicht, lassen sie sich in aller Ruhe und oftmals aus nur geringer Entfernung bestens beobachten. Eine Vielzahl an „Pferdeflüsterern“ und weiteren Liebhabern dieser edlen Tiere aus aller Welt haben ihre umfangreichen Erkenntnisse in der Einsamkeit der Camargue gesammelt. Im Dämmerlicht der auf- und untergehenden Sonne entdeckt man mit etwas Glück auch einmal Wildschweine, Füchse, Wasserratten und Biber.

Für einen geführten Ausritt auf einem der herrlichen Camargue-Pferde muss man kein Profi sein. Die extra ausgewählten ruhigen Tiere bringen auch Anfänger gefahrlos mit der Natur in hautnahe Berührung. Da diese von den wild lebenden Artgenossen in der Region als ungefährlich angesehen werden, kann man Ihnen auf diese Art und Weise weitaus näher kommen als zu Fuß. Die kompetenten Begleiter, welche meist in der Camargue groß geworden sind und sich daher bestens auskennen, führen Reiter an die schönsten Plätze, Naturgenuss pur ist dabei garantiert. Pferdeliebhaber können sich einen langersehnten Wunsch erfüllen und einen flotten Galopp im weichen Sand der menschenleeren Strände erleben. Mit dem Tier eins werden und sich dabei die frische Seeluft um die Nase wehen zu lassen ist ein unvergessliches Erlebnis. Wenn die Gischt des Meerwassers einem ins Gesicht sprüht und die Haare im Winde wehen vereint sich der Körper mit der Seele zu einem Ganzen, der Traum vieler Menschen wird dadurch Wirklichkeit.

Ein Duft der bezaubert – Kräuter der Provence

Frankreich ist für seine außergewöhnlich exklusive Küche bekannt, bereits bei den großen Feierlichkeiten während der Zigeunerwallfahrt in Saint-Marie-de-la-Mer lassen sich leckere kulinarische Spezialitäten entdecken. An erster Stelle auf dem Speiseplan stehen in der Camargue frische Meeresfrüchte und Fisch. Raffiniert zubereitet mit den weltberühmten Kräutern der Provence sowie dem sagenhaften Olivenöl kommen selbst Gourmets ins Schwärmen. Die Region eignet sich gleichfalls bestens zum Anbau verschiedenster Gemüsesorten, woraus die Chefköche die köstlichsten Gerichte zaubern. Wer einmal eine Gemüsesuppe provenzalischer Art oder in einen schmackhaften Teig gehülltes frisches Grün gekostet hat, wird den einzigartigen Geschmack so schnell nicht mehr vergessen.

Fleischliebhaber kommen bei dem großen Angebot an Rindern und Lämmern ebenfalls voll auf ihre Kosten. Beim Genuss einer der abwechslungsreichen Fleischspeisen kommt das Gefühl auf, die gesunde Luft und salzhaltige Nahrung der frei in der Camargue aufwachsenden Tiere auf der Zunge zu schmecken. In Frankreich spielt auch das Dessert eine große Rolle, welches in der Camargue oftmals aus frischem Obst, würzigem Ziegenkäse oder einer köstlichen Süßspeise besteht und eine jede Mahlzeit perfekt abzurunden weiß. Selbstverständlich sollte man bei all den leckeren Gerichten nicht auf einen wohlschmeckenden Wein aus der Provence verzichten, der weit über die Grenzen hinaus bekannt und beliebt ist.

Lebensmittelgeschäfte – klein, aber fein

Die unendlich lange Straße, welche vom Landesinneren nach Saint-Marie-de-la-Mer durch die unbesiedelte Landschaft führt, hört ganz plötzlich in dem Küstenort auf. Bei vielen Menschen kommt zunächst das Gefühl auf, am Ende unseres Planeten angekommen zu sein. Aber nein, dort eröffnet sich eine ureigene Welt, welche einem sympathisch entgegen zu lächeln scheint. Große Kaufhäuser lassen sich in der heimeligen Ortschaft nicht entdecken, mehrere einladende Boutiquen präsentieren jedoch wunderschöne Kleidungsstücke, darunter auch namhafte Designerprodukte. Insbesondere der recht rege Tourismus in Saint-Marie-de-la-Mer hat für mehrere Läden gesorgt, die alles rund ums Wasser anbieten, darunter auch Badebekleidung sowie Angelbedarf. Die dortigen sogenannten Supermarchés sind eher kleine Lebensmittelgeschäfte, welche jedoch über ein ausreichendes Angebot am Alltagsbedarf für die Küche verfügen. Ebenso gibt es an den Tankstellen die Möglichkeit, Nahrungsmittel zu besorgen.

Montags und freitags kommt man in den Genuss eines Streifzuges über den provenzalischen Wochenmarkt. Allein die traumhaften Gerüche der herrlichen Kräuter der Provence wissen die Besucher zu betören, der Anblick des knackig frischen Obstes und Gemüses u.v.m. setzt noch einen obendrauf und lässt einem jeden das Wasser im Munde zusammen laufen. Man bekommt dort alles an Lebensmitteln, was das Herz begehrt, und wer gut im Handeln ist, kann dort so manches Schnäppchen schlagen. Andenken und Mitbringsel, beispielsweise in Form von regionalen Spezialitäten, finden sich in großer Vielfalt in den zahlreichen Geschenkshops von Saint-Marie-de-la-Mer. Gleichfalls lohnt sich ein interessanter Bummel über den beliebten Flohmarkt, dieser findet jeden zweiten Dienstag statt.

Kein Verzicht auf Kunst und Kultur

Für Städteliebhaber und –erforscher, welche Saint-Marie-de-la-Mer ausschließlich wegen der Zigeunerwallfahrt aufsuchen möchten, empfehlen sich Aigues Mortes sowie Arles. Von dort aus kann man mit dem Bus oder dem Auto auf unkomplizierte Weise in die Camargue gelangen. Unterkünfte jeder Art stehen dort ebenso zur Verfügung wie in dem Städtchen am Meer, zudem sind sie in der Regel um den 24. August herum nicht komplett ausgebucht und oftmals noch günstiger. Aigues Mortes kann man einfach nur als gemütlich bezeichnen. Ein Spaziergang rund um den historischen Stadtkern auf der vollständig erhaltenen Stadtmauer sorgt für ein außergewöhnliches Erlebnis. Als sehr interessant stellt sich auch eine Besichtigung der hübschen Kirche Notre Dame des Sablons sowie der Salinen „Salins du midi“ dar, letztere beinhaltet zudem noch eine umfangreich zu genießende Weinverkostung.

Kunst- und Kulturfans fühlen sich in der Stadt Arles rundherum wohl, denn diese hat unzählige historische Sehenswürdigkeiten zu bieten. Arles besitzt einen hohen Bekanntheitsgrad als Kunststätte Frankreichs, häufig wird sie als Museumsstadt bezeichnet. Es gibt dort unzählige prachtvolle romanische und antike Bauwerke zu besichtigen, die sich innen und außen als äußerst faszinierend präsentieren. Weltweite Berühmtheit erlangten beispielsweise das Römische Theater sowie das Amphitheater, in letzterem finden noch heute die erlebenswerten unblutigen Stierkämpfe Frankreichs statt.